Fragen und Brücken
Woher die Namen der Tierkreiszeichen kommen
Die Namen der Tierkreiszeichen stammen von den Sternbildern, durch die die Sonne entlang der Ekliptik zieht, ihrer scheinbaren jährlichen Bahn. Die Sternmuster wurden von mesopotamischen und griechischen Traditionen geprägt und mit Mythen verwoben. Ihre offiziellen lateinischen Namen legt heute die Internationale Astronomische Union (IAU) fest. Die Namen sind Kulturerbe und keine Beschreibung dessen, wie die Sterne tatsächlich aussehen.
Aries, Taurus, Gemini, Libra … diese Namen kennt fast jeder, doch kaum jemand fragt, woher sie stammen. Die Antwort ist eine lange Geschichte, an der antike Himmelsbeobachter, griechische Erzähler, römische Schriftsteller und die moderne Astronomie beteiligt waren.
Die Namen stammen von Sternbildern entlang der Ekliptik
Die Ekliptik ist die scheinbare jährliche Bahn der Sonne vor dem Hintergrund der Sterne. Auch Mond und Planeten bleiben in einem schmalen Band um diese Bahn. Schon früh fiel den Menschen auf, dass dieses Band durch dieselbe Abfolge von Sternmustern verläuft. Sie nennen wir die Tierkreissternbilder.
Das Wort „Zodiak“ selbst ist griechisch. Es hängt mit dem Wort für „Lebewesen“ oder „Tier“ zusammen und bedeutet grob „Kreis der Tiere“. Das passt zu den meisten Namen: Widder, Stier, Krebs, Löwe, Skorpion, Fische. Es gibt Ausnahmen wie die Waage (ein Gegenstand) und den Wassermann (eine menschliche Gestalt). Die Erklärung mit den „Tieren“ ist also praktisch, aber nicht vollständig.
Die Wurzeln dieser Tradition reichen bis nach Mesopotamien. Babylonische Astronomen beschrieben Sternmuster entlang der Wege von Sonne und Mond, und die Griechen übernahmen viele dieser Bilder später und gestalteten sie um. Historiker diskutieren noch immer über den genauen Zeitpunkt und die Wege dieser Übernahme. Ehrlich zusammengefasst ist der Zusammenhang gut bekannt, aber keine einfache gerade Linie. Mehr zum größeren Zusammenhang findest du in der Geschichte der Astrologie.
Griechische und römische Mythen hinter den Bildern
Antike Autoren erzählten Geschichten über viele Sternbilder. Dabei lohnt sich der Gedanke, dass ein Sternbild oft mehrere Versionen hat und dass ein Mythos manchmal erst später erfunden wurde, um einen bereits bestehenden Namen zu „erklären“. Einige der bekanntesten Verbindungen:
- Widder (Aries) wird mit dem Widder mit dem Goldenen Vlies aus dem Mythos von Jason und den Argonauten verbunden.
- Stier (Taurus) wird mit Zeus verbunden, der im Mythos die Gestalt eines Stiers annimmt, um Europa zu entführen.
- Zwillinge (Gemini) werden mit Kastor und Pollux verbunden, den Zwillingsbrüdern der griechischen Mythologie.
- Krebs (Cancer) ist der Krebs, den die Sage gegen Herakles in dessen Kampf mit der Lernäischen Hydra schickt.
- Löwe (Leo) wird mit dem Nemeischen Löwen verbunden, der ersten von Herakles’ Aufgaben.
- Skorpion (Scorpius) wird oft mit der Geschichte des Jägers Orion und dem Skorpion verbunden, der ihn besiegt.
Bei Jungfrau, Schütze, Steinbock, Wassermann und Fischen gehen die Versionen noch weiter auseinander. Die Jungfrau wurde mit mehreren Göttinnen der Ernte und der Gerechtigkeit in Verbindung gebracht. Der Schütze ist ein Bogenschütze, oft als Kentaur dargestellt. Der Steinbock ist ein „Meeresziegenbock“ mit Fischschwanz, ein Bild sehr alten Ursprungs. Der Wassermann ist ein Wasserträger, manchmal mit Ganymed verbunden. In einer überlieferten Version sind die Fische Aphrodite und Eros, die sich in Fische verwandeln, um einem Ungeheuer zu entkommen.
Die Römer übertrugen die meisten dieser Bilder ins Lateinische und damit in die europäische Kultur.
Lateinische Namen, festgelegt von der IAU
Heute ist der Himmel in 88 Sternbilder eingeteilt, und die offizielle Instanz dafür ist die Internationale Astronomische Union (IAU). In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts legte sie die Liste und die Grenzen fest, sodass jeder Punkt am Himmel genau zu einem Sternbild gehört. Die offiziellen Namen sind lateinisch, denn Latein war lange die gemeinsame Sprache der Wissenschaft.
Die lateinischen Namen der zwölf Tierkreissternbilder lauten: Aries, Taurus, Gemini, Cancer, Leo, Virgo, Libra, Scorpius, Sagittarius, Capricornus, Aquarius, Pisces. Beachte, dass Astronomen Scorpius und Capricornus schreiben, nicht „Scorpio“ und „Capricorn“, wie es astrologische Texte oft tun. Jedes Sternbild hat außerdem eine kurze Abkürzung aus drei Buchstaben, etwa Ari oder Tau.
Ein Detail ist wissenswert: Die Karte der IAU enthält auch ein dreizehntes Sternbild, das von der Ekliptik durchquert wird, den Schlangenträger (Ophiuchus). Deshalb ist die Frage, wie viele Tierkreissternbilder es gibt, feiner, als sie scheint (siehe warum es 12 Tierkreiszeichen gibt).
Ein kurzer Rundgang durch die zwölf
Kurz gefasst bedeuten die Namen Folgendes:
- Aries: der Widder.
- Taurus: der Stier.
- Gemini: die Zwillinge.
- Cancer: der Krebs.
- Leo: der Löwe.
- Virgo: die Jungfrau.
- Libra: die Waage, ein Wiegegerät. In älterer Tradition hieß dieses Gebiet die „Scheren“ des Skorpions.
- Scorpius: der Skorpion.
- Sagittarius: der Schütze.
- Capricornus: „ziegenhörnig“, der Meeresziegenbock.
- Aquarius: der Wassermann.
- Pisces: die zwei Fische.
Jedes Zeichen kannst du in einem eigenen Artikel erkunden, zum Beispiel Widder oder Skorpion.
Was dieses Wissen sagen kann und was nicht
Die Namen erzählen viel über die Kulturen, die den Himmel beobachteten, aber fast nichts über die Sterne selbst. Die Sterne eines Sternbilds sind meist nicht physisch miteinander verbunden und sind sehr unterschiedlich weit von uns entfernt. Das Muster ist ein menschlicher Eindruck, kein Naturobjekt. Die Verbindung zwischen dem Namen eines Sternbilds und einem astrologischen „Zeichen“ ist also historisch und kulturell. In der astrologischen Tradition sind die Zeichen Abschnitte des Kreises, die mit der Frühlings-Tagundnachtgleiche beginnen. Im Laufe der Zeit verschieben sie sich gegenüber den tatsächlichen Sternbildern (siehe warum die Tierkreiszeichen nicht mit den Sternbildern übereinstimmen).
Auch die Mythen sind schöne Geschichten und keine wissenschaftlichen Fakten. Du kannst sie als Inspiration lesen und dich daran freuen, dass ein Name wie „Zwillinge“ mehr als zweitausend Jahre menschlicher Fantasie in sich trägt. Zum Unterschied zwischen Wissenschaft und Tradition siehe auch Astronomie und Astrologie im Vergleich.
Fragen und Antworten
Woher kommt das Wort Zodiak?
Es stammt aus dem Griechischen und hängt mit dem Wort für „Lebewesen“ oder „Tier“ zusammen. „Zodiakalkreis“ bedeutet grob „Kreis der Tiere“, weil die meisten Bilder Tiere sind.
Wer hat die Tierkreiszeichen benannt?
Es gibt keinen einzelnen Urheber. Die Bilder entwickelten sich in mesopotamischen und griechischen Traditionen, die Römer gaben sie auf Latein weiter, und die heute verwendeten offiziellen lateinischen Namen legt die Internationale Astronomische Union (IAU) fest.
Warum sagen Astronomen Scorpius statt Scorpio?
Der offizielle lateinische Name des Sternbilds lautet Scorpius, und für den Steinbock Capricornus. Scorpio und Capricorn sind in astrologischen und populären Texten häufiger.
Sind die Mythen hinter dem Tierkreis wahr?
Es sind uralte Geschichten, und zu vielen Sternbildern gibt es mehrere Versionen. Sie gehören zu unserem kulturellen Erbe und sind keine wissenschaftlichen Fakten über die Sterne.
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